Montag, Februar 9, 2026

Die Philadelphia-Eisenbahnbrücke in Wien: Geschichte und Entwicklung

Die Philadelphia-Brücke in Wien ist nicht nur ein Ingenieurbauwerk, das den Donaukanal überquert. Ihre Geschichte spiegelt die Ära der rasanten Entwicklung des Eisenbahnverkehrs, der industriellen Revolution und der städtischen Transformationen des späten 19. Jahrhunderts wider. Seit ihrer Grundsteinlegung wurde sie zu einem Schlüsselelement der Verkehrsinfrastruktur der österreichischen Hauptstadt, Zeugin vieler historischer Ereignisse und eine architektonische Dominante ihrer Zeit. Dieser Artikel zeichnet den faszinierenden Weg der Entstehung und Entwicklung der Philadelphia-Brücke nach und enthüllt ihre Bedeutung für Wien und seine Bewohner. Mehr dazu auf viennafuture.eu.

Wie die Brücke entstand: Der Weg von Steinbögen zum modernen Verkehrsknotenpunkt

Im belebten 12. Wiener Gemeindebezirk Meidling erhebt sich die Philadelphia-Brücke. Sie ist nicht nur eine Überführung über die Gleise der Südbahn, sondern lebendige Geschichte, die die Entwicklung der Stadt, ihres Verkehrs und ihrer Ingenieurkunst über fast zwei Jahrhunderte widerspiegelt. Heute ist sie ein zentraler Knotenpunkt, der verschiedene Teile Wiens verbindet und über den Straßenbahnlinien, Stadtbusse und sogar ein Teil der Bundesstraße B12 führen. Doch bevor sie zu dem wurde, was sie heute ist, hat die Brücke einen langen Weg der Transformationen durchgemacht.

Die Geschichte der Philadelphia-Brücke begann nicht mit ehrgeizigen Projekten, sondern aus einer dringenden Notwendigkeit. Als 1841 die Südbahn gebaut wurde, war es wichtig, den Liesinger Weg – einen alten Weg, der Baden mit Wien verband – zu erhalten. Um unbequeme Neigungen auf der Eisenbahnstrecke zu vermeiden, wurde der Bau einer Brücke beschlossen. So entstand im selben Jahr 1841, zeitgleich mit der Inbetriebnahme der Eisenbahn, die erste Steinbrücke mit vier Bögen, die die Gleise in einem schiefen Winkel überquerte. Sie wurde das erste dauerhafte Bauwerk an diesem Ort.

Vor dem Bau der Südbahn (1839–1841) war dieses Gebiet unbebaut. An den beiden Hängen des Wienerbergs und des Laaer Bergs gab es nur Felder, Wiesen und Wälder.

Die Ära des Eisenbahnbooms und der Stadterweiterung

Das 19. Jahrhundert war eine Zeit der rasanten Entwicklung der Eisenbahnen, und das musste sich zwangsläufig auf die Philadelphia-Brücke auswirken. Bereits 1860 erforderte der Bau der Verbindungsbahn zur Südbahn eine Erhöhung der Gleisanzahl und somit eine neue Brücke. Im Jahr 1861 wurde die alte Steinkonstruktion abgerissen und durch eine provisorische Lösung ersetzt, die 1863 einer neuen Eisenkonstruktion wich, die bereits im rechten Winkel zu den Gleisen stand.

Anfang des 20. Jahrhunderts wuchs Wien rasant und gliederte Vororte wie Meidling ein. Dies erforderte eine weitere Modernisierung der Verkehrsinfrastruktur. So wurde 1910 die dritte Brücke eröffnet, die erstmals Straßenbahngleise erhielt. Dies ermöglichte es der Straßenbahnlinie 62, die Nutzung der etwas weiter östlich gelegenen Brücke der Badner Bahn einzustellen, was den Verkehr erheblich optimierte.

Wie die Philadelphia-Brücke in Wien zu ihrem Namen kam

In den Gassen Wiens verbirgt sich eine interessante Geschichte über den ungewöhnlichen Namen der Philadelphia-Brücke. Er steht nicht in direktem Zusammenhang mit einer historischen Persönlichkeit oder einem wichtigen Ereignis in Wien, sondern führt über den Ozean – in die Stadt Philadelphia.

Alles begann im fernen Jahr 1838, als für die neu gebaute Wien-Gloggnitzer Bahn (später als Südbahn bekannt) die erste Dampflokomotive bestellt wurde. Diese Lokomotive, die sich durch ihre Fähigkeit auszeichnete, erhebliche Steigungen zu überwinden, wurde von der amerikanischen Firma Norris in Philadelphia hergestellt. Das Projekt wurde von einem Österreicher namens Sanno entwickelt, der 35 Jahre in Philadelphia verbracht hatte. Im August 1838 traf die „Philadelphia“ in Wien ein und absolvierte am 31. August erfolgreich ihre Probefahrt. Damals erhielten alle Lokomotiven eigene Namen, und diese wurde nach ihrer Herkunftsstadt benannt – „Philadelphia“.

Die erste Brücke an diesem Ort, erbaut 1841, hatte anfangs keinen offiziellen Namen. In der Nähe, auf der Meidlinger Hauptstraße, gab es jedoch bereits ein beliebtes Gasthaus, das ebenfalls den Namen „Philadelphia“ trug, zu Ehren der legendären Lokomotive. Es gab sogar noch ein weiteres Lokal – den „Gasthof zur Stadt Philadelphia“. Aufgrund dieser Nähe und der Popularität des Namens der Lokomotive begannen die Wiener bald, auch die Brücke inoffiziell „Philadelphia-Brücke“ zu nennen.

Im Jahr 1972 erfolgte eine wichtige administrative Änderung: Die Philadelphia-Brücke wurde an die Bundesstraßenverwaltung übergeben. Durch diese Vereinbarung ging die Verantwortung für ihre Instandhaltung und ihren Betrieb an die Stadt Wien über, was ein entscheidender Moment in ihrer weiteren Geschichte wurde.

Der volkstümliche Name bürgerte sich so sehr ein, dass die Stadtverwaltung ihm zwischen 1890 und 1892, während der Eingemeindung der Vororte nach Wien, offiziell den Namen „Philadelphia-Brücke“ gab. Dies geschah genau zu der Zeit, als die zweite Brücke an diesem Ort in Betrieb genommen wurde. Interessanterweise ist die heutige Brücke bereits das vierte Bauwerk, das diesen historischen Namen trägt.

Interessant! Selbst nach Jahrzehnten und Generationen war der Name „Philadelphia-Brücke“ so bekannt, dass er für die 1989 neben der Brücke eröffnete U-Bahn-Station der U6 verwendet wurde. Obwohl die Station später, im Jahr 2013, in „Bahnhof Meidling“ umbenannt wurde, sind die legendäre Lokomotive „Philadelphia“ und die gleichnamige Brücke für immer in der Geschichte und Geografie Wiens verankert. Diese ungewöhnliche Verbindung zwischen österreichischer Ingenieurskunst, amerikanischer Produktion und dem kollektiven Gedächtnis macht die Geschichte der Philadelphia-Brücke wirklich einzigartig.

Wiederaufbau nach dem Krieg und die Gegenwart

Der Zweite Weltkrieg verschonte die Philadelphia-Brücke nicht; sie erlitt erhebliche Schäden. Sie wurde wiederhergestellt, doch die Zeit und die intensive Nutzung forderten unaufhaltsam ihren Tribut. Im Jahr 1975 musste die Brücke wegen ihres baufälligen Zustands für den Verkehr gesperrt werden, wobei Fußgänger sie nur noch in der Mitte überqueren durften. Die Notwendigkeit eines Neubaus war offensichtlich.

Die vierte, heutige Philadelphia-Brücke wurde 1978 eröffnet. Seitdem wird sie aktiv von der Badner Bahn genutzt, deren eigene Brücke überflüssig wurde und abgerissen wurde.

Eine bedeutende Transformation des Gebiets um die Brücke erfolgte 1989 mit der Verlängerung der U-Bahn-Linie U6, die an den Bahnhof Wien Meidling angebunden wurde. Der Bau der neuen U-Bahn-Station und ihre Fertigstellung bis 2009 haben das Gebiet als leistungsfähigen Knotenpunkt des öffentlichen Nahverkehrs erheblich aufgewertet. Was den Individualverkehr betrifft, so wurde die Philadelphia-Brücke nach der Eröffnung der 300 Meter westlich über die Südbahn verlaufenden Wienerbergbrücke im Jahr 1966 deutlich entlastet. Dies ermöglichte eine Reduzierung des Verkehrsaufkommens.

Heute ist die Philadelphia-Brücke ein leuchtendes Beispiel dafür, wie sich Ingenieurbauwerke gemeinsam mit einer Stadt entwickeln können, um deren Bedürfnissen über Jahrhunderte hinweg zu dienen. Ihre Geschichte ist eine Erzählung von Anpassung, Wiederaufbau und dem ständigen Streben nach Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur Wiens.

Wie wird die Erinnerung an die Lokomotive in Wien bewahrt?

Die Erinnerung an die historische Lokomotive „Philadelphia“ wird in Wien sorgfältig bewahrt. Am Haus in der Darnautgasse 2 ist ein Sgraffito mit der Inschrift zu sehen: „Im Jahre 1838 wurde hier die Lokomotive ‚Philadelphia‘ erprobt“. Darüber hinaus ist im Technischen Museum Wien ein detailliertes Modell dieser Lokomotive ausgestellt, das den Besuchern einen Einblick in die Entwicklungsgeschichte des österreichischen Eisenbahnwesens ermöglicht.

Quellen: www.meinbezirk.at, www.geschichtewiki.wien.gv.at, www.stadtbekannt.at, austria-forum.org

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