Sonntag, Februar 8, 2026

Die Geschichte der Marienbrücke in Wien: Eine Brücke zwischen den Epochen

Wien ist von einem Netz von Brücken durchzogen, von denen jede ihre eigene, einzigartige Geschichte hat. Unter ihnen nimmt die Marienbrücke einen besonderen Platz ein. Diese Brücke verbindet nicht nur die Ufer des Donaukanals, sie wurde auch Zeugin jahrhundertelanger Veränderungen im Leben der Stadt. Von ihren ersten Holzkonstruktionen bis zu den modernen Ingenieurlösungen ist die Marienbrücke ein fester Bestandteil des Wiener Stadtbildes und ein Spiegelbild der architektonischen und historischen Entwicklung der Hauptstadt. Mehr dazu auf viennafuture.eu.

Planung, Bau und Name: Von der Idee zur Brücke

Im Herzen Wiens, wo Geschichte auf Moderne trifft, erstreckt sich die Marienbrücke – eine Brücke, die nicht nur zwei bedeutende Stadtteile miteinander verbindet. Sie ist die Verkörperung des Ingenieurwesens und des künstlerischen Geschmacks ihrer Zeit. Am nördlichen Ende des belebten Schwedenplatzes gelegen, dient die Brücke als natürliche Verlängerung der Rotenturmstraße, überquert den Donaukanal und verbindet die Innere Stadt (1. Bezirk) mit der Leopoldstadt (2. Bezirk).

Ihren Namen erhielt die Brücke dank ihres zentralen Schmuckstücks – einer filigranen Statue der Jungfrau Maria (Marienstatue), einem Werk von Hans Schwathe. Die Baugeschichte der Marienbrücke begann 1904, als ein Wettbewerb für den besten Entwurf ausgeschrieben wurde. Unter den Teilnehmern war sogar der renommierte Architekt Otto Wagner mit seiner Skizze. Zur Umsetzung wurde jedoch der Entwurf von Josef Hackhofer und Albrecht Petsch gewählt. Ihre Bogenkonstruktion, die ursprünglich Aluminiumfiguren vorsah, wurde in einer minimalistischeren, aber nicht minder ausdrucksstarken Form realisiert.

Die Brücke wurde am 17. Mai 1906 feierlich eröffnet und dient den Wienern seither ununterbrochen. Die im Zentrum installierte Marienstatue von Schwathe wurde zum Symbol der Brücke und verleiht ihr einen besonderen, wiedererkennbaren Charme. Die Marienbrücke ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie Ingenieurlösungen und künstlerische Visionen harmonisch miteinander verschmelzen und nicht nur ein funktionales Objekt, sondern auch ein bedeutendes Denkmal schaffen, das den Geist Wiens widerspiegelt.

(Marienbrücke, um 1910)

Zerstörung der Brücke während des Zweiten Weltkriegs

Die Geschichte der Marienbrücke nahm während des Zweiten Weltkriegs eine tragische Wende. Im April 1945, während der heftigen Kämpfe um die Befreiung der Stadt, wurde die Brücke von der Roten Armee gesprengt und in Schutt und Asche gelegt. Die zerstörte Brücke wurde zu einem ernsthaften Hindernis, doch das Leben in Wien musste weitergehen. Um die Verbindung zum zweiten Bezirk aufrechtzuerhalten, wurde auf den aus dem Wasser ragenden Trümmern der Konstruktion eilig ein improvisierter Fußgängersteg errichtet. 

Dieser provisorische Übergang sicherte eine lebenswichtige Verbindung, während sich die Stadt von der Katastrophe erholte. Im Jahr 1946 musste dieser temporäre Holzsteg jedoch zusammen mit den übrigen Bauresten abgerissen werden. Dies war notwendig, um die Schifffahrt auf dem Donaukanal wiederherzustellen, was für die Logistik und den Wiederaufbau von entscheidender Bedeutung war.

Die folgenden Jahre waren eine Zeit der Übergangslösungen. Von 1948 bis 1961 diente ein weiterer Behelfsübergang an der Stelle der Marienbrücke und der benachbarten Salztorbrücke zur Gewährleistung des Fußgängerverkehrs. Erst nach der Fertigstellung der neuen Salztorbrücke wurde diese letzte provisorische Brücke demontiert.

Die Geschichte der Marienbrücke in den Nachkriegsjahren ist ein leuchtendes Zeugnis für die Unbeugsamkeit der Wiener, ihre Fähigkeit, Zerstörung und vorübergehende Schwierigkeiten zu überwinden, um das normale Leben und den Wiederaufbau ihrer Stadt wiederherzustellen.

Wiederaufbau der Brücke nach dem Krieg

Die Wiedergeburt der Marienbrücke selbst wurde zum Symbol des Nachkriegs-Wiederaufbaus in Wien. Die Brücke wurde vollständig wiederhergestellt, jedoch unter Verwendung neuester Technologien: Sie wurde das erste große Stahlbetonbauwerk in Wien. Der Entwurf für die neue Brücke stammte von Karl Jäger, die künstlerische Beratung übernahm Adolf Hoch. 

Die feierliche Eröffnung der erneuerten Marienbrücke fand am 25. Oktober 1953 in Anwesenheit des Wiener Bürgermeisters Franz Jonas statt. Die Marienbrücke war nun 5 Meter länger als ihr Vorgängerbau. Gleichzeitig wurden der Belag und die Zugänge zur U-Bahn-Station (Linie U4) erneuert, was eine bequemere Anbindung und Integration der Brücke in das städtische Verkehrsnetz sicherstellte.

Die Geschichte der Marienstatue

Die Geschichte der Marienbrücke ist untrennbar mit dem Schicksal der Marienstatue verbunden, die ihren zentralen Teil schmückte. Diese Skulptur, die nicht nur ein Kunstwerk, sondern auch ein spirituelles Symbol war, erlebte die Wirren des Krieges und Jahrzehnte des Vergessens, um schließlich an ihren rechtmäßigen Platz zurückzukehren.

Die Originalstatue der Jungfrau Maria, geschaffen vom herausragenden Künstler Hans Schwathe, war ein wahres Meisterwerk des Jugendstils. Sie stellte die Madonna mit Kind dar, umgeben von einem Rosenkranz, und symbolisierte die Überwindung der Sünde. Diese einzigartige Skulptur wurde am 16. Oktober 1909 von Weihbischof Godfried Marschall feierlich geweiht und wurde zu einem festen Bestandteil der Brücke und des geistigen Erbes Wiens. Leider wurde die Originalskulptur, wie auch die Brücke selbst, im April 1945 in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs zerstört.

Der Wiederaufbau der Stadt nach dem Krieg führte zu Versuchen, die verlorenen Symbole wiederherzustellen. 1951 wurde eine vereinfachte Kopie der Statue von Oskar Thiede geschaffen. Aufgrund von Verkehrsproblemen wurde sie jedoch nicht auf der Brücke, sondern am Franz-Josefs-Kai, stromaufwärts von der Marienbrücke, aufgestellt. Später, während des Umbaus der Stadtbahn für den Bau der Linie U4, wurde sie vorübergehend demontiert und eingelagert, um auf bessere Zeiten zu warten.

Historische Gerechtigkeit und gebührende Anerkennung kamen erst Jahrzehnte später. Am 8. September 1983, am Vorabend des Österreichischen Katholikentags, kehrte die Statue der Jungfrau Maria – restauriert nach den Originalmodellen von Schwathe und vollendet – triumphal an ihren historischen Platz im zentralen Teil der Marienbrücke zurück.

Welche wichtigen Ereignisse fanden auf der Brücke statt?

Die Marienbrücke ist nicht nur ein Ingenieurbauwerk, das die Ufer des Donaukanals verbindet; sie ist ein Ort, der Zeuge bedeutender Ereignisse wurde und als wichtiger Treffpunkt Wiens mit der Welt dient. Ihre Lage und symbolische Bedeutung haben sie zum idealen Ort für besondere Zeremonien gemacht.

Eines der herausragendsten Ereignisse in der Geschichte der Brücke war der feierliche Empfang von Papst Johannes Paul II. am 23. Juni 1988. Der Papst kam nach seinem Flug vom Flughafen nach Wien, und genau auf der Marienbrücke wurde er von Bürgermeister Helmut Zilk und anderen hochrangigen Vertretern empfangen. Während dieses denkwürdigen Ereignisses hielt der Papst auf der Brücke für ein kurzes Gebet inne, was diesem Ort eine besondere spirituelle Bedeutung verlieh und seine Wichtigkeit für die Stadt unterstrich.

Neben historischen Ereignissen spielt die Marienbrücke eine Schlüsselrolle im modernen touristischen Leben Wiens. Die Brücke befindet sich direkt bei der Anlegestelle für Touristenschiffe. Genau von hier legen Schiffe ab, einschließlich des schnellen Twin City Liners, der nach Bratislava fährt. Das macht die Marienbrücke nicht nur zu einer wichtigen Verkehrsader, sondern auch zu einem Tor zur Stadt für zahlreiche Touristen und zu einem Symbol für die Weltoffenheit Wiens.

Vom Schaurigen zum Vergnüglichen

Die Geschichte der Marienbrücke ist nicht nur von architektonischen Transformationen geprägt, sondern auch von unerwarteten Kuriositäten, die das städtische Leben über die Jahrhunderte widerspiegeln. Eine dieser ungewöhnlichen Seiten ist mit dem sogenannten „Fleischeffekt“ verbunden. Bereits im 15. Jahrhundert wurde der Donaukanal unter der Brücke genutzt, um Vieh zur Schlachtung hinabzutreiben. Leider wurden die Abfälle der Tiere damals direkt ins Wasser entsorgt, was einen ziemlich unangenehmen Geruch und Anblick erzeugte. Selbst mit dem Aufkommen späterer Brücken blieb diese Tradition eine Zeit lang erhalten, und die Stege ragten weiterhin über die schmutzigen Wasser des Kanals. Dies steht in starkem Kontrast zum heutigen Erscheinungsbild des Kanals, der heute ein beliebter Erholungsort ist.

Heute hat sich der Bereich um die Marienbrücke und die benachbarte Schwedenbrücke in eine lebhafte Gastromeile entlang des Donaukanals verwandelt. Im Sommer reihen sich hier zahlreiche Stände und Bars aneinander, in denen Wiener und Touristen kühle Getränke genießen, während sie direkt unter der Brücke sitzen. Dies ist ein wahres Spiegelbild des Wandels der Epochen und unterscheidet sich radikal von der schaurigen mittelalterlichen Geschichte, was die Evolution des städtischen Raums demonstriert.

Quellen: cityabc.at, www.meinbezirk.at, www.geschichtewiki.wien.gv.at, www.vdonaukanal.eu, www.geschichtewiki.wien.gv.at 

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