Sonntag, Februar 8, 2026

Die Entstehungsgeschichte der Bordelle in Wien

Wien hat die Menschen seit jeher mit seiner eleganten Architektur, seiner Musik und seiner Atmosphäre angezogen. Doch hinter den Kulissen der imperialen Pracht und der glanzvollen Bälle gab es in Wien eine andere, weniger bekannte Welt – die der Freudenhäuser. Diese von Geheimnissen und Legenden umwobenen Etablissements spielten jahrhundertelang eine wichtige Rolle im gesellschaftlichen Leben der Stadt und spiegelten deren Werte, wirtschaftliche Bedingungen und die Einstellung zur Sexualität wider. Mehr dazu auf viennafuture.eu.

Geschichte und Entwicklung der Freudenhäuser in Wien

Im Mittelalter diente der Begriff „Frauenhaus“ zur Bezeichnung eines Bordells. Die ersten urkundlichen Erwähnungen solcher Einrichtungen in Wien stammen aus dem 14. Jahrhundert, obwohl es Gründe zur Annahme gibt, dass sie schon früher existierten. In einer städtischen Urkunde aus dem Jahr 1341 wird ein Ortolf Taechan erwähnt, der den Minoriten ein Grundstück hinter der Klosterbäckerei übertrug. Laut dem Dokument befand sich an diesem Ort, im Bereich des heutigen Minoritenplatzes, bereits ein Freudenhaus. Etwa zur gleichen Zeit (1344) war ein weiteres ähnliches Etablissement im Bereich des heutigen Theaters an der Wien in Betrieb.

Im 15. Jahrhundert tauchen Erwähnungen von zwei Freudenhäusern gegenüber dem Widmertor auf. Beide befanden sich im Besitz des Herzogs. Eines davon wurde 1415 vom herzoglichen Waffenschmied Oswald Ingelstetter an Konrad Poppenberger verkauft und ging 1428 in den Besitz des Wiener Stadtrats über. Dieses Gebiet, auch als „Frauenfleck“ bekannt, wurde später zu einem der Zentren der Prostitution in Wien. Im Jahr 1435 verlieh der Herzog den Eigentümern dieser Einrichtungen (der Stadt Wien, dem Martinspital und zwei seiner Diener) das Recht, den „Frauenwirt“ – den Betreiber des Bordells – selbstständig zu ernennen oder zu entlassen. Die Stadtverwaltung erhielt aus einem der Bordelle eine wöchentliche Pacht, und diese Mittel wurden zur Bezahlung des städtischen Scharfrichters verwendet.

Beide Freudenhäuser vor dem Widmertor wurden während der Ersten Wiener Türkenbelagerung 1529 zerstört. Später entstand an dieser Stelle ein Haus namens „Im Elend“, das sich im Tiefen Graben unter der Hohen Brücke befand. Seine Existenz lässt sich jedoch erst ab 1539 urkundlich nachweisen. Später wurde hier ein städtisches Gebäude errichtet, in dem Fleischbänke untergebracht waren.

Abendspaziergänge am Graben

In der Ära Josefs II., als die Damen leichten Gewerbes abends am Graben flanierten, wurden sie „Graben-Nymphen“ genannt. Hier wurden oft „geschäftliche Abmachungen“ getroffen, die mit dem Fallenlassen eines Taschentuchs begannen. Hieronymus Löschenkohl verewigte diesen Brauch 1784 in seinem Gemälde „Der Schnepfenstrich am Graben“.

Die Prostitution blühte jedoch nicht nur am Graben, sondern auch in zahlreichen Vorstadt-Tavernen. Frauen, die von Armut und wirtschaftlicher Not geplagt waren, wandten sich oft diesem Gewerbe zu, um über die Runden zu kommen. Dies betraf insbesondere jene, die niedrig bezahlte Tätigkeiten wie Dienstmädchen oder Küchenhilfen ausübten.

Nach Forschungen des Polizeihistorikers Werner Sabitzer profitierte die damalige Sicherheitswache Wiens, die Stadtwache, von den Aktivitäten der Freudenhäuser. Eines dieser Etablissements, das sich am Tiefen Graben befand, war bei wohlhabenden Besuchern besonders beliebt. Dieses Wiener Freudenhaus, das unter der Kontrolle des Hofmarschalls stand, war eine äußerst profitable Einnahmequelle.

Die Situation änderte sich unter Kaiser Ferdinand I. (1503–1564), der versuchte, die Prostitution zu unterdrücken. Er verbot die Tätigkeit „unzuchtiger Weibspersonen“ und schuf eine „geheime Keuschheitskommission“. Öffentliche Häuser wurden geschlossen und die Prostitution für illegal erklärt. Verstöße gegen dieses Gesetz wurden mit strengen Strafen, einschließlich der Todesstrafe, geahndet. Frauen, die bei der Prostitution ertappt wurden, wurden öffentlich (vor der Kirche) ausgepeitscht, und in einigen Fällen wurde ihnen ein Ohr abgeschnitten.

Versuche, die Prostitution einzudämmen, und ein Ratgeber für Prostituierte

Die Versuche der Behörden, die Prostitution einzudämmen, insbesondere die von Maria Theresia geschaffene „Keuschheitskommission“, brachten nicht die gewünschten Ergebnisse. 1787 versuchte ihr Sohn, Josef II., sowohl Männern als auch Frauen zu verbieten, „mit dem Körper Handel zu treiben und mit Unzucht Geld zu verdienen“. Im selben Jahr veröffentlichte Joseph Richter anonym das „Taschenbuch für die Graben-Nymphen“. Diese kleine Broschüre, die formal auf Taschenkalendern basierte, schien auf den ersten Blick ein Ratgeber für Prostituierte zu sein. Tatsächlich nahm sie jedoch das Phänomen der Prostitution satirisch aufs Korn, indem sie beispielsweise von Orten erzählte, an denen die „Graben-Nymphen“ in verschiedenen Monaten des Jahres besonders wohlhabende Kunden finden konnten. Richter betonte auch wiederholt die Verbindung zwischen Geistlichen, Kirchenbesuchern und Prostituierten. Insbesondere enthielt das „Taschenbuch“ ein „Verzeichnis der schönsten Kirchenfeste mit den nöthigen Anmerkungen zum Besten der Graben-Nymphen“. Mit der ihm eigenen Ironie unterstrich Richter die Gefahren, die die Prostitution damals mit sich brachte.

Dieses „Taschenbuch für die Graben-Nymphen“ erlebte bis ins 20. Jahrhundert mehrere Neuauflagen und Kommentare, was das anhaltende Interesse am Thema Prostitution in Wien zeigt. Es wurde zu einem einzigartigen historischen Dokument, das die sozialen Realitäten jener Zeit und die Haltung der Gesellschaft zu den Freudenhäusern in Wien widerspiegelt.

Zunahme der Geschlechtskrankheiten

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts, während des Wiener Kongresses, nahm die Prostitution in der Stadt weite Ausmaße an. Es tauchten Zuhälter auf, die von der Polizei als „Gassengeher“ bezeichnet wurden. Sie wurden bestraft, indem sie zum Militärdienst eingezogen wurden, vor allem in galizische Regimenter. Die Zahl der Syphiliserkrankungen stieg, was die Behörden zwang, ab 1873 verpflichtende ärztliche Untersuchungen für Prostituierte einzuführen.

Im Jahr 1852 wurden Prostituierte wegen „schamloser Anlockung von Kunden aus dem Fenster oder vor dem Haustor“ oder wegen „Raufereien bei der Anwerbung von Männern“ strafrechtlich verfolgt. Zu dieser Zeit war in Wien die berühmte Prostituierte Josefine „Pepi“ Mutzenbacher tätig. Große Resonanz fand die 1906 veröffentlichte „Lebensgeschichte einer Wiener Dirne“, deren Autorschaft dem Schriftsteller Felix Salten zugeschrieben wird.

Die Zahl der heimlichen Prostituierten in der Stadt wuchs stetig, besonders während des Ersten Weltkriegs. Aufgrund der Armut waren in den folgenden Jahren immer mehr Frauen aus dem Bürgertum gezwungen, der Prostitution nachzugehen. Laut Polizeidaten waren unter den 3272 bekannten Prostituierten im Jahr 1920 377 Beamtinnen, acht Offiziersgattinnen sowie minderjährige Töchter von Ärzten und Stadträten. Somit war das Bordell in Wien jahrhundertelang ein fester Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens der Stadt.

Die Sittenpolizei in Wien

Nach der Legalisierung der Prostitution in Wien im Jahr 1873 wurde das „Sittenamt“ – eine spezielle Sittenabteilung – geschaffen. Die Kontrolle über die Prostitution wurde zentralisierter, obwohl einige Angelegenheiten in der Zuständigkeit der Bezirkskommissariate verblieben.

Ab 1873 waren in Wien bestimmte Formen der Prostitution erlaubt. Die ersten bedeutenden Reformen dieses Systems fanden 1911 statt. Die Sittenpolizei war für die Überwachung der Einhaltung der Regeln, die Führung eines Registers der Prostituierten und die Kontrolle der ab 1900 entstandenen lizenzierten öffentlichen Häuser zuständig. Das Hauptinstrument der Kontrolle waren ärztliche Untersuchungen auf Geschlechtskrankheiten und die Führung eines Registers. Registrierte Prostituierte waren verpflichtet, sich zweimal pro Woche einer gynäkologischen Untersuchung zu unterziehen, deren Ergebnisse im Gesundheitsbuch festgehalten wurden. Im Falle einer festgestellten Erkrankung wurde das Buch eingezogen und die Frau hospitalisiert – bei Weigerung auch zwangsweise.

Im Zeitraum von 1900 bis 1911 gab es auch eine weniger strenge Form der Kontrolle für „diskrete“ Prostituierte, die keine Straßenprostitution betrieben. Sie erhielten kein Gesundheitsbuch, unterzogen sich aber regelmäßigen ärztlichen Untersuchungen ohne offizielle Registrierung. Die Sittenpolizei kontrollierte auch das Verhalten der Prostituierten an öffentlichen Orten und verbot ihnen beispielsweise, sich aus den Fenstern zu lehnen oder in den Türen zu stehen. Die Sittenabteilung war auch für die Abmeldung von Frauen aus dem Register zuständig, wofür diese einen Nachweis über eine alternative Beschäftigung erbringen mussten.

Ein weiterer Tätigkeitsbereich der Sittenabteilung war die Aufdeckung und Unterbindung der „heimlichen“ Prostitution. Polizisten und Detektive in Zivil hatten das Recht, Frauen, deren Verhalten nicht den Normen der öffentlichen Moral entsprach, anzuhalten, zu überprüfen und sie zu einer obligatorischen Untersuchung zu schicken. Die Strafe für „heimliche“ Prostitution war eine Haftstrafe oder die Unterbringung in einem städtischen Arbeitshaus. Das „Vagabundengesetz“ von 1885 sah strengere Strafen vor, einschließlich Zwangsarbeit. Bei Feststellung von Geschlechtskrankheiten hatte die Sittenabteilung das Recht, die Frau zwangsweise festzuhalten.

Die vor dem Ersten Weltkrieg durchgeführten Reformen schränkten die Befugnisse der Sittenpolizei etwas ein. Nach öffentlichen Skandalen, bei denen „anständige“ Frauen belästigt wurden, durften ab 1911 nur noch Beamte der Sittenabteilung ärztliche Untersuchungen durchführen, und dies erst nach wiederholten Beobachtungen. 1920 wurden die Gesundheitsbücher durch Identitätskarten ersetzt, und 1921 wurden die letzten öffentlichen Häuser geschlossen. Die Kontrolle der Sittenpolizei wurde selektiver und konzentrierte sich auf Frauen, deren „sittliche Verwahrlosung“ nachgewiesen war. Geschlechtskranke Frauen wurden in einer separaten Abteilung des Sanatoriums in Klosterneuburg untergebracht und behandelt.

Quellen: www.diepresse.com, www.geschichtewiki.wien.gv.at, www.diepresse.com, www.timetravel-vienna.at

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