Wien ist eine Stadt, in der die Steine die Sprache von Imperien, Kunst und Revolutionen sprechen. Jedes Gebäude hier ist nicht bloß ein Bauwerk. Es ist die Stimme der Geschichte: Habsburger, Barock, Sezession, Moderne und Gegenwart. Wenn man aufmerksam durch die Straßen Wiens geht, kann man Epochen, Stile und Ideale ablesen. Auf der Website viennafuture folgen nun architektonische Symbole, ohne die Wien unvorstellbar wäre.
Das gotische Herz Wiens, oder der Stephansdom
Der Stephansdom ist eines der wichtigsten architektonischen, historischen und symbolischen Wahrzeichen Wiens. Er steht am Stephansplatz im 1. Bezirk (Innere Stadt) und ist nicht nur der zentrale Dom, sondern ein wahrer Maßstab für Zeit, Stile und Glauben.
Die Außenlänge des Doms beträgt 108,7 m, die Innenlänge 107,2 m. Die Gesamtbreite des Langhauses ohne Türme beträgt 34,2 m, mit Türmen rund 72,0 m. Die Höhe des Mittelschiffs ist 28,0 m, die der Seitenschiffe 22,4 m. Die dreischiffigen Chöre haben ebenfalls eine Höhe von 22,4 m.
Der höchste Turm des Stephansdoms ist der Südturm. Er erreicht 136,44 m. Die Höhe des unvollendeten Nordturms beträgt hingegen 68,3 m. An der Westfassade befinden sich die beiden Heidentürme – einer ist rund 66,3 m hoch, der andere 65,3 m.
Die erste romanische Kirche an der Stelle des heutigen Stephansdoms wurde 1147 erbaut. Eine zweite folgte 1263. Der heutige Dom wurde in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts errichtet. Bis 1511 erhielt er sein heutiges Aussehen.

Im Dom befindet sich der „Wiener Neustädter Altar“ – ein fünfteiliger Flügelaltar (Polyptychon). Er wird auf etwa 1447 datiert und wurde 1883 von der Stadt Wien erworben. In den Mauern des Doms befindet sich auch das Grabmal für Kaiser Friedrich III. des Heiligen Römischen Reiches. Es wurde 30 Jahre vor seinem Tod in Auftrag gegeben. Die Katakomben unter dem Dom bergen Grabstätten, Gebeine aus Zeiten der Pest und anderen Tragödien sowie unschätzbare Reliquien der Habsburger.
Erwähnenswert ist auch, dass der Stephansdom die größte Glocke Österreichs besitzt. Ihr Gewicht beträgt rund 21.383 kg, der Durchmesser 314 cm und die Höhe mit Krone 294 cm. Sie befindet sich im Nordturm.
Symbol des Glaubens, der Macht und des Gedenkens, oder die Karlskirche
Als Kaiser Karl VI. 1713 eine neue Pestwelle in Wien überlebte, gelobte er feierlich, eine Kirche zu Ehren des Heiligen Karl Borromäus zu bauen. Im Februar 1716 begann im 4. Wiener Bezirk (Wieden) am Karlsplatz der Bau.
Architekt war Johann Bernhard Fischer von Erlach (1656-1723). Nachdem er verstarb, vollendete sein Sohn, Joseph Emanuel Fischer von Erlach (1693-1742), das Projekt. Das endgültige Fertigstellungsdatum der Karlskirche wird oft mit 1737 oder 1739 angegeben (je nach Quelle).
Das Fassadenkonzept ist sehr symbolisch – ein zentraler Portikus, ähnlich einem griechischen Tempel, und zwei hohe Triumphsäulen von rund 47 m Höhe, die an die Trajanssäule in Rom erinnern. Auf diesen Säulen befinden sich spiralförmige Reliefs, die vom Leben des Heiligen Karl Borromäus erzählen – Szenen von Wundern, Gebeten und Heilungen.

Die Kuppel der Kirche ist etwa 74 m hoch. Ihre Innenfläche ist mit Fresken von Johann Michael Rottmayr und Gaetano Fanti geschmückt. Die Fläche dieser Fresken beträgt rund 1.250 m².
Im Inneren der Kirche – ein Hochaltar, Säulen, Marmordetails, Skulpturen. Alles ist im Barockstil gehalten, mit einer Kombination aus römischen, byzantinischen und palladianischen Elementen.
Die Glocken dieser Kirche gehören zu den größten Kirchenglocken Wiens. Die Orgelanlage wurde 1847 geändert und 1989 rekonstruiert.
Die Hofburg – der Palast, der das Reich zusammenhielt
Die Hofburg ist nicht ein einzelnes Gebäude, sondern ein ganzer Gebäudekomplex. Er entwickelte sich schrittweise vom 13. Jahrhundert über das Mittelalter, die Renaissance, den Klassizismus bis hin zur Moderne. Die Hauptbestandteile sind:
- Schweizertrakt;
- Amalienburg;
- Leopoldinischer Trakt;
- Stallburg;
- Österreichische Nationalbibliothek;
- Kaiserliche Schatzkammer (Schatzkammer) usw.
Besonders bedeutsam ist der „Prunksaal“ der Österreichischen Nationalbibliothek, der von Johann Fischer in den Jahren 1723-1726 geschaffen wurde.

Die Hofburg diente als Zentrum der politischen Macht, Kultur und Wissenschaft. Hier lebten und regierten die Kaiser und die einflussreichsten Persönlichkeiten Österreichs. Hier wurden Archive, kaiserliche Sammlungen und Bibliotheken aufbewahrt.
Im 19. Jahrhundert, mit dem Aufkommen des Konzepts der Ringstraße, plante man, die Hofburg zu einem großen Kaiserforum an der Stelle des heutigen Maria-Theresien-Platzes zu erweitern. Doch viele ehrgeizige Pläne wurden nie realisiert.
Stand Ende des ersten Viertels des 21. Jahrhunderts ist die Hofburg ein Museumskomplex. Hier befinden sich die Kaiserappartements, das Sisi Museum, die Schatzkammer, das Museum der Habsburger-Epoche und mehr. Die massiven Fassaden der Hofburg, ihre Kuppeln, Skulpturen und Höfe bilden den „historischen Kern“ Wiens.
Johann Fischer und die barocke Revolution in Wien
Johann Bernhard Fischer von Erlach wurde am 20. Juli 1656 in Graz (200 km von der Hauptstadt Österreichs) geboren und starb am 5. April 1723 in Wien. Er ist einer der herausragendsten Architekten der Barockzeit. In Wien schuf er so wichtige Projekte wie die Karlskirche und die Österreichische Nationalbibliothek. Er hatte erheblichen Einfluss auf den Stil von Palästen und Kirchen im Stadtzentrum.
Johann Fischer kopierte nicht einfach antike Motive, sondern interpretierte sie, indem er römische, griechische, byzantinische und barocke Elemente in einer Struktur verband. Er betonte dies in seinem Werk „Entwurff einer historischen Architektur“.

Johann Fischer vertrat die Ansicht, dass Architektur „universell“ sein sollte – nicht von regionalen Stilen abhängig, sondern von der allgemeinen Geschichte der Zivilisationen. In der Karlskirche ist dies ersichtlich: ein Portikus wie bei den Griechen, Säulen wie in Rom, eine Kuppel mit einer großen Tambour-Basis – eine Anspielung auf die Hagia Sophia. Sein Sohn, Joseph Emanuel Fischer von Erlach, änderte während der Fertigstellung die Proportionen, indem er die Höhe des Kuppeltambours reduzierte und mehrere dekorative Details änderte.
Johann Fischer war auch an der Standardisierung der Reichsarchitektur beteiligt. Er vereinte Fassaden, Leitelemente und Straßenachsen, was große Projekte in Wien beeinflusste. Sein Erbe (seine Idee der „historischen Architektur“) wurde zum Maßstab für Architekten des 18. Jahrhunderts in Wien und darüber hinaus.
Die Österreichische Bank, oder die Moderne an der Epochenwende
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erlebte Wien eine stürmische Entwicklung der Wiener Secession. In diesem Kontext wurde der Architekt Otto Wagner (1841-1918) zu jener Figur, die die Tradition des imperialen Dekors zugunsten von Funktionalismus und Modernismus „brach“.
Das Atelier von Otto Wagner erhielt den Auftrag für das kaiserliche Postsparkassenamt an der Ringstraße. Der Bau erfolgte in zwei Phasen: 1904–1906 die Hauptphase und 1910–1912 die Anbauten und Erweiterungen.
Entstanden ist ein 8-stöckiges Gebäude – eines der Schlüsselbauten der Moderne in Wien. Die Fassade ist mit weißen Marmorplatten verkleidet, die mit metallenen „Nieten“ (dekorativen Aluminiumbolzen, die die Befestigung der Platten imitieren) versehen sind. Insgesamt wurden an der Fassade rund 17.000 dieser „Nieten“ verwendet. Die unteren und oberen Geschosse sind ebenfalls mit Granitplatten verkleidet.

Im Inneren ist der große Kassensaal ein weitläufiger Raum mit einem Glasdach, sorgfältig durchdachter Beleuchtung und Belüftung. Auch die Details des Interieurs, wie Lampen, Türgriffe und Möbel, wurden nach Wagners Entwürfen gestaltet.
Heutzutage fungiert das Gebäude als wissenschaftlich-kulturelles Zentrum. Ein Teil der Fläche wird an die Österreichische Akademie der Wissenschaften, die Universität für angewandte Kunst und für Ausstellungsräume vermietet. Die Gesamtfläche des Gebäudes beträgt 40.000 m², die vermietbare Fläche liegt bei rund 8.800 m².
Quellen: