Sonntag, Februar 8, 2026

Wie sahen die Wohnungen der Wiener im letzten Jahrhundert aus?

Stellen Sie sich das Wien des Jahres 1925 vor… Die Gassen riechen nach feuchtem Stein. Straßenbahnen klappern auf den Schienen. Und die Bewohner der Gemeindebauten (Gemeindebau) überschreiten zum ersten Mal in ihrem Leben die Schwelle einer Wohnung, in der es nicht nur ein Bett gibt, sondern einen echten Lebensraum – eine Küche mit Wasseranschluss, ein Gasheizgerät, lichtdurchflutete Zimmer. Dies ist eine neue Ära des Wohnens – weg von den Zinskasernen (Zinskaserne) hin zu großen kommunalen Projekten. Wie veränderten sich die Wohnungen in Wien im Laufe des 20. Jahrhunderts? Welche Standards und welche alltäglichen Kleinigkeiten unterschieden sich in den verschiedenen sozialen Schichten und Bezirken? Lesen Sie darüber und noch mehr in diesem Artikel auf viennafuture.eu.

Die Gründerzeit-Ära – Zinskasernen und Wohnen für Geringverdiener (1900-1918)

Um 1900 zählte Wien bereits über 2 Millionen Einwohner. Durch den Zustrom von Migranten aus Böhmen, Mähren, Galizien und der Slowakei entstand ein akuter Wohnungsmangel.

Damals wurden hier aktiv Zinskasernen gebaut – private Mietshäuser, die oft sehr dicht besiedelt waren. In solchen Häusern gab es ein Wohnzimmer und eine Küche, die kein Außenfenster hatte. Sie war mit dem Flur verbunden oder führte in einen Innenhof.

In jenen Jahren wurden in Wien auch aktiv Bassenawohnungen gebaut – Wohnungen ohne internen Wasseranschluss und Toilette. Bei dieser Wohnform konnte sich die Toilette im gemeinsamen Hof oder sogar im Keller befinden. Die Fläche solcher Wohnungen betrug etwa 25-45 m², je nach Armutsgrad oder sozialem Status.

Weder in den privaten Mietshäusern noch in den Bassenawohnungen gab es eine Zentralheizung. Zum Heizen mussten die Wiener einen Ofen anfeuern – einen Holz- oder Kohleofen… Einen Wasseranschluss gab es nicht überall. Aber selbst wenn es einen gab, dann nur für kaltes Wasser. Gasbeleuchtung gab es nur in den Gemeinschaftsbereichen der Mehrfamilienhäuser oder auf den Straßen. Und bis fast in die 1910er Jahre gab es in Wien praktisch keine Elektrizität.

Das „Rote Wien“ und die Gemeindebauten der Zwischenkriegszeit (1919-1934)

Nach dem Ersten Weltkrieg, mit der Etablierung der sozialdemokratischen Verwaltung in Wien, veränderte das „Gemeindebau“-Programm die Wohnstandards erheblich. Konkrete Beispiele: Reumannhof (Margareten, 5. und 10. Bezirk), Sandleiten (16. Bezirk), Metzleinstaler Hof (Wiener Gemeindebau). Sie alle umfassten Hunderte oder Tausende von Wohnungen. Zum Beispiel Sandleiten: 1.587 Wohnungen auf einer Fläche von rund 68.581 m². Ihre durchschnittliche Fläche betrug 38-48 m². Sie waren für Arbeiter oder kleine Familien vorgesehen.

Typische Wiener Wohnungen hatten oft Deckenhöhen von 3 Metern und mehr, manchmal bis zu 3,50 m, und in repräsentativen Räumen – sogar bis zu 4 m. Ihre Hauptfunktion war die Verbesserung der Belüftung. Große Luftvolumen ermöglichten eine bessere Verteilung von Wärme und Feuchtigkeit bei dichter Bebauung und vielen Bewohnern. Eine hohe Decke bedeutete, dass die Räume vertikal geräumig waren, selbst bei einer kleinen Grundfläche der Wohnung. Das Raumvolumen war also größer als nur die Bodenfläche.

Die Wohnungen verfügten oft über innenliegende Badezimmer oder zumindest ein Bad auf der Etage; eine Küche mit Gasherd und Wasseranschluss; Spültoiletten; nach und nach wurde Elektrizität eingeführt (Beleuchtung, Steckdosen).

Damals entstanden auch soziale Normen und Hausordnungen. Wie zum Beispiel das Ausklopfen von Teppichen und die Reinigung der Stiegenhäuser. Den Bewohnern wurden Merkblätter ausgehändigt, wie sie die Wohnung instand halten und Wärme sparen sollten.

Die Nachkriegszeit und Duplex-Wohnungen, Erweiterung des Wohnraums (1945-1960)

Der Zweite Weltkrieg brachte erhebliche Zerstörungen. In Wien wurden rund 87.000 Wohnungen zerstört. Etwa 35.000 Menschen wurden obdachlos. Daher stieg nach 1945 der Bedarf an schnellem Wiederaufbau von Wohnraum. Es wurden schnelle Wohnbauprogramme aus Beton, Ziegel und Stahlbeton realisiert. Zum Beispiel „Duplex-Wohnungen“ – Wohnungen, die leicht geteilt oder zusammengelegt werden konnten, um den Bedürfnissen gerecht zu werden.

Ein konkretes Beispiel ist die 1947 eröffnete Per-Albin-Hansson-Siedlung in Favoriten. Das waren Häuser mit einfacher Konstruktion, aber größtenteils bereits mit Zentralheizung, mit innenliegenden Badezimmern und mit weniger Gemeinschaftstoiletten.

Die Größe dieser Wohnungen war in der Regel größer im Vergleich zum „Gemeindebau“ der Zwischenkriegszeit. Dies machte sich besonders in den neuen Stadtrandgebieten bemerkbar. Annehmlichkeiten wie Balkone und Loggien wurden bereits zum Standard.

Veränderungen bei Standards, Ausstattung und Materialien (1950-1990)

Im Zeitraum von 1950 bis 1980 änderten sich in Wien nicht nur die Grundrisse der Wohnungen, sondern auch die Materialien und der Komfort. So wurden Einzelöfen durch zentrale Kesselanlagen oder Fernwärme ersetzt.

Zur gleichen Zeit bekamen die Wohnungen Sanitärräume mit Spültoiletten, Duschen oder Badewannen. Warmwasser wurde zentral oder über Boiler bereitgestellt. Die Küchen wurden mit Gas- oder Elektroherden ausgestattet. Später wurde Strom in den Küchen zur Norm.

Auch die Beleuchtung entwickelte sich weiter. Zuerst ersetzte sie Gaslampen und sogar Nachtlichter. Dann begann man, Elektrizität zur Raumbeleuchtung zu nutzen. Tischlampen und Steckdosen für Haushaltsgeräte kamen auf. Ab den 1950er und 1960er Jahren hielten Fernseher und Radios Einzug in den Alltag der Wiener.

Für die Innengestaltung der Böden wurden Parkett oder Dielen verwendet. In Küchen und Bädern wurden Fliesen verlegt. In ärmeren Wohnungen kam auch Verputz mit Marmor- oder Kunstmarmor-Finish zum Einsatz.

Die Wiener mochten massive Türen mit dekorativen Zierleisten. An der Fuge zwischen Boden und Wand begann man, Sockelleisten anzubringen. In den 1970er und 1980er Jahren wurde ein größerer Schwerpunkt auf Laminat, Fliesen und künstliche Materialien gelegt.

Doppelt oder dreifach verglaste Fenster mit guter Abdichtung kamen in Wiener Wohnungen etwas später auf. Im Zeitraum 1950-1990 gab es große, alte Fenster mit Rahmen, oft mit Buntglas oder dekorativen Glasmalereien.

Der Kontrast zwischen Altbau, Gemeindebau und modernen Wohnungen

Nicht alle Wohnungen in Wien waren im letzten Jahrhundert gleich. Unterschiede zeigen sich je nach Bezirk, Status und Bauzeit.

Altbau (alte Häuser der Gründerzeit / Ringstraßen-Periode, 1870-1914): große Räume, hohe Decken (3,5-5 Meter), dekorative Deckenornamente, Stuck, Parkettböden, große Fenster, oft Erker oder straßenseitige Balkone. Je näher am Zentrum (1., 8., 9. Bezirk), desto mehr Luxus. Eingangshallen (Vestibüle), prächtige Stiegenhäuser mit Treppenläufen und Dekor.

Gemeindebau: in verschiedenen Bezirken gelegen (hauptsächlich mittlere und äußere Bezirke). Zum Beispiel: Karl-Marx-Hof (19. Bezirk); Reumannhof (5. und 10. Bezirk); Sandleiten (16. Bezirk). Diese Bauten boten einen sozialen Lebensstandard, der deutlich über dem der Zinskasernen lag. Hier gab es separate Badezimmer, bessere Belüftung und mehr Platz.

Moderne Wohnungen (ab Ende der 1980er Jahre): oft weniger dekorativ und funktionaler; Wärmedämmung, moderne Heizungs- und Lüftungssysteme; höhere Energieeffizienzstandards; möglicherweise Vorhandensein von Parkplätzen, Aufzug, Etagenheizung, moderner Küche mit Einbaugeräten.

Unterschiede je nach Bezirk: Bezirke näher am Gürtel (innerer Ring), Innere Stadt – teurere Wohnungen, älter, mit hohen Decken; Bezirke an der Peripherie (Favoriten, Donaustadt, Floridsdorf) – häufiger Neubauten oder große Gemeindebau-Sektoren, einfachere Innenausstattung, weniger dekorative Details.

Quellen:

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