Wien war stets bestrebt, mit der Zeit zu gehen und Spitzentechnologien zur Verbesserung des Lebens seiner Bewohner einzuführen. Eine der zentralen Entwicklungsrichtungen der Stadt war die Elektrifizierung, die über Jahrzehnte hinweg ihre Infrastruktur, Industrie und das tägliche Leben grundlegend veränderte. Von den ersten elektrischen Laternen über ein weitverzweigtes Netz des elektrischen Verkehrs bis hin zu Großprojekten im Bereich der erneuerbaren Energien hat die Elektrifizierung Wiens einen langen und faszinierenden Weg zurückgelegt, der von wichtigen Meilensteinen und innovativen Lösungen geprägt ist. Mehr dazu auf viennafuture.eu.
Erste Schritte zur Beleuchtung Wiens
Die Einführung der Elektrizität markierte einen Wendepunkt in der Geschichte Wiens, der die soziale, wirtschaftliche und infrastrukturelle Landschaft der Stadt tiefgreifend veränderte und ein solides Fundament für ihre weitere Entwicklung legte. Bevor jedoch das elektrische Licht fest im Leben der Wiener Einzug hielt, wurden ihre Heime seit den späten 1820er-Jahren mit Gaslaternen beleuchtet. Die Gasbeleuchtung war ein bedeutender Fortschritt im Vergleich zu früheren Methoden, hatte aber ihre Nachteile.
Die ersten zaghaften Schritte in Richtung Elektrifizierung wurden bereits in den 1870er-Jahren unternommen, als in Wien die ersten Experimente mit elektrischer Beleuchtung stattfanden, die zumeist Demonstrationscharakter hatten. Ein bedeutendes Ereignis war das Jahr 1883, als in der Wiener Staatsoper erstmals elektrisches Licht erstrahlte. Dieses Ereignis sorgte für eine wahre Sensation und zog die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich, was den Beginn einer neuen Ära der Stadtbeleuchtung markierte.
Ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur Elektrifizierung war das Jahr 1886, als in Wien das erste zentrale Kraftwerk eröffnet wurde. Dieses Ereignis wurde zum Katalysator für eine breitere Verteilung elektrischer Energie und versorgte sowohl Straßen und öffentliche Plätze als auch die ersten privaten Verbraucher, die den Komfort der neuen Energiequelle zu schätzen wussten.
Der Beginn des 20. Jahrhunderts war geprägt von einer Phase des aktiven Ausbaus des Wiener Stromnetzes. Es entstanden neue Kraftwerke, und die Elektrizität wurde für verschiedene Lebensbereiche der Stadt – von kommerziellen Unternehmen bis hin zu Industrieanlagen – immer zugänglicher. Trotz der raschen Entwicklung erhielten private Haushalte in einigen Wiener Bezirken erst in den 1920er-Jahren einen Stromanschluss, was die schrittweise und ungleichmäßige Durchdringung des Elektrifizierungsprozesses in verschiedenen Teilen der Stadt belegt.

Entwicklung des öffentlichen Verkehrs: Stadtbahn, U-Bahn, Straßenbahnen
Wien war sich der Bedeutung der Mobilität seiner Bewohner stets bewusst, insbesondere in Zeiten aktiver Stadtentwicklung. In den 1920er-Jahren, als die Stadt einen Bauboom erlebte und neue Gemeindegebäude sowie ganze Wohnsiedlungen errichtet wurden, wurde deutlich, dass der öffentliche Verkehr mit diesen Veränderungen Schritt halten musste. Genau in dieser Zeit wurde die strategische Entscheidung zur Modernisierung der Verkehrsinfrastruktur getroffen.
Der entscheidende Schritt war die Elektrifizierung der Stadtbahn. Dieses ehrgeizige Projekt startete am 26. Mai 1924, und bereits ab Herbst 1925 wurde die erneuerte, elektrifizierte Stadtbahn in das Straßenbahnnetz integriert, was die Verbindungen zwischen den verschiedenen Stadtteilen erheblich verbesserte. Interessanterweise wurde gerade in Wien, auf der Linie 43, erstmals ein funkgesteuerter Zug mit Beiwagen erprobt, ein Vorbote zukünftiger technologischer Lösungen. Der erste vollständig funkgesteuerte Zug verkehrte erstmals im Mai 1972 auf der Linie 26. Parallel zur Elektrifizierung der Stadtbahn wurde das Straßenbahnnetz aktiv erweitert und ein weitverzweigtes Busnetz geschaffen, was für mehr Flexibilität und eine bessere Abdeckung der städtischen Gebiete sorgte.

Doch Wien ruhte sich nicht auf seinen Lorbeeren aus. Nach langwierigen, fast hundertjährigen Planungen wurde der 3. November 1969 zu einem denkwürdigen Datum – am Karlsplatz begann endlich der Bau eines neuen städtischen Verkehrsmittels: der U-Bahn. Dieses Ereignis wurde zum Symbol für das Streben der Stadt nach modernen und schnellen Verkehrslösungen.
Das erste bedeutende Ergebnis dieses großangelegten Bauvorhabens spürten die Wiener am 25. Februar 1978, als die erste U-Bahn-Linie – die Linie U1 – feierlich eröffnet wurde, die den Karlsplatz mit dem Reumannplatz verband. Dies war ein echter Durchbruch im öffentlichen Verkehrssystem Wiens und bot eine schnelle und bequeme Möglichkeit, sich unter der Erde fortzubewegen.
Die Entwicklung des Wiener Verkehrsnetzes ging weiter. Im Jahr 1986 überschritt die Gesamtlänge der Strecken der Wiener Linien erstmals die beeindruckende Marke von 800 Kilometern. Das bedeutete, dass das Verkehrsnetz der Stadt doppelt so groß war wie Anfang der 1930er-Jahre, was das ständige Wachstum und die Anpassung an die Bedürfnisse der Stadtbevölkerung belegte.

Elektrifizierung der städtischen Infrastruktur
Die Elektrifizierung öffentlicher Räume, vor allem durch die Straßenbeleuchtung, hatte einen doppelten Effekt: Sie trug zur breiteren Verteilung elektrischer Energie bei und erhöhte gleichzeitig die Sicherheit in den städtischen Gebieten. Ein bedeutendes Ereignis war das Jahr 1924, als die Straßenbeleuchtung Wiens vollständig von veralteten Gaslaternen auf moderne elektrische umgestellt wurde. Interessanterweise waren die Industrieunternehmen die Vorreiter bei der Nutzung des elektrischen Lichts, wo es die Nacht in den Fabrikhallen buchstäblich zum Tag machte und so die Produktionszeit erheblich verlängerte.
Die Vorteile der Elektrifizierung spürten zuerst die öffentlichen Gebäude. Die erste Phase dieses Prozesses, die zwischen 1880 und 1920 stattfand, umfasste eben diese sowie öffentliche Plätze, Fabriken und die ersten privaten Haushalte. In den 1920er- und 1930er-Jahren drang die Elektrizität immer tiefer in die städtischen Haushalte ein und verbreitete sich allmählich auch in ländlichen Gebieten. Der eigentliche Durchbruch bei der Nutzung von Elektrogeräten als Massenkonsumgüter erfolgte jedoch in der Zeit zwischen den 1950er- und 1970er-Jahren. Dieser entscheidende Schritt fiel mit der Ära des sogenannten „Wirtschaftswunders“ und dem rasanten Wirtschaftswachstum zusammen und machte Elektrogeräte nicht zu einem Luxus, sondern zu einem festen Bestandteil des Alltags der meisten Menschen.

Nutzung der Wasserkraft in Wien
Ein wichtiger Meilenstein in der Entwicklung der Wiener Energieinfrastruktur war die Erschließung des Wasserkraftpotenzials der Donau. Im Jahr 1959 wurde der Bau des leistungsstarken Donaukraftwerks Ybbs-Persenbeug abgeschlossen. Dieses Ereignis war ein bedeutender Schritt zur Sicherung der Stadt mit einer stabilen und relativ sauberen Energiequelle und stärkte die Energiesicherheit Wiens.
Wien setzte seinen Kurs auf die Nutzung erneuerbarer Energiequellen fort und machte 1998 einen weiteren wichtigen Schritt. Das Kraftwerk Freudenau wurde in Betrieb genommen. Dieses Kraftwerk war insofern besonders, als es das erste große Flusskraftwerk war, das direkt im Gebiet einer so großen Stadt wie Wien errichtet wurde. Die Inbetriebnahme des Kraftwerks Freudenau fand internationale Anerkennung und wurde zu einem Maßstab für die Erzeugung erneuerbarer Energie in dicht besiedelten städtischen Gebieten. Es zeigte die Möglichkeit einer harmonischen Verbindung zwischen dem Energiebedarf einer Metropole und ökologischer Verantwortung.

Die Reaktion der Bevölkerung und die Veränderungen durch die Elektrifizierung
Die Ankunft der Elektrizität in Wien löste bei der Mehrheit der Bevölkerung wahre Begeisterung aus und eröffnete eine neue Ära des Komforts und der Möglichkeiten. Doch schon bald entstand ein interessanter Konflikt zwischen jenen, die Strom sparen wollten, und jenen, die der Versuchung der hellen neuen Welt nicht widerstehen konnten. Bezeichnenderweise kam bald kein Fest mehr ohne prächtige Illuminationen aus, die oft der erste Schritt zur vollständigen Elektrifizierung des eigenen Heims waren. Generell wurde Elektrizität seit dem 18. Jahrhundert als fortschrittliche, saubere und harmlose Energiequelle wahrgenommen, was zu ihrem positiven Image beitrug.
Interessant! Im Jahr 1902 beobachtete das Publikum mit Begeisterung das erste elektrisch angetriebene Karussell, das zum Symbol einer neuen Ära der Unterhaltung wurde. Und bereits 1906 erstrahlte der majestätische Stephansdom in moderner elektrischer Beleuchtung und verwandelte sich nachts in ein wahres Wunderwerk, das mit seiner Schönheit beeindruckte.

Für viele Wiener war die Erinnerung daran, „als das Licht kam“, ein wirklich prägendes Erlebnis. Im Vergleich zur düsteren Beleuchtung durch Kienspäne, Kerzen, Öl- oder Petroleumlampen erschien das elektrische Licht wie ein wahres Wunder. Es war nicht nur heller, sondern auch wesentlich sicherer, da die Brandgefahr bis dahin ständig hoch war. Darüber hinaus veränderte die Einführung der elektrischen Straßenbeleuchtung den städtischen Raum qualitativ.
Mit dem Aufkommen der ersten Elektrogeräte, wie dem Bügeleisen, spürten viele eine unglaubliche Erleichterung bei den Haushaltsarbeiten. Die Nutzung von Elektronik sparte Zeit und schenkte mehr Freizeit. Die Beleuchtung transformierte auch die Arbeits- und Tagesrhythmen, die Freizeitgewohnheiten sowie die Organisation und Nutzung des Wohnraums. Die Nacht hörte auf, eine Zeit der Einschränkungen zu sein, und wurde zu einem gleichberechtigten Raum für Aktivitäten – in Büros, Fabriken, Theatern und auf den Straßen. Licht wurde zum neuen Symbol der Stadt.

Auf der Anfangsetappe vertiefte die Elektrifizierung Wiens jedoch paradoxerweise die soziale Ungleichheit. Der zentrale 1. Bezirk, die bürgerlichen Viertel und die Elitenviertel erhielten wesentlich schneller und in besserem Umfang Zugang zu Elektrizität als die ärmeren Randbezirke. Eine ähnliche Situation war bei den Elektrogeräten zu beobachten: Haushalte der Arbeiterklasse konnten sich die meisten davon erst deutlich später leisten. Obwohl die Elektrifizierung letztendlich allen zugutekam, spiegelten ihre ersten Schritte die bestehende sozioökonomische Kluft in der Stadt wider.
Quellen: www.derstandard.at, www.habsburger.net, www.geschichtewiki.wien.gv.at, topos.orf.at, www.energieleben.at, blog.wienernetze.at