Die modernen Wiener sind es gewohnt, dass die Straßen der Stadt jeden Tag von Tausenden von Lichtern erhellt werden. Doch seit den Anfängen Wiens war das ganz anders. Die Stadtverwaltung musste erhebliche Anstrengungen unternehmen, um eine hochwertige Beleuchtung zu gewährleisten, schreibt viennafuture.eu.
Die erste Straßenbeleuchtung

Die Straßenbeleuchtung in Wien wurde 1687 eingeführt, zu einer Zeit, als die Lampen noch mit Öl betrieben wurden. Die ersten dieser Leuchten waren 17 Lampen, die in der Dorotheergasse im ersten Bezirk installiert wurden. Historisch gesehen befanden sich in dieser Straße die Häuser hochrangiger Persönlichkeiten des Habsburger Hofes. Bis zum 18. Jahrhundert war sie von zahlreichen Palais umgeben und galt als die prächtigste Straße Wiens.
Obwohl in der Dorotheergasse die ersten Straßenlaternen erschienen, wurden sie in anderen Straßen erst Ende 1688 installiert. In dieser Zeit wurde schließlich die gesamte Stadt beleuchtet. Auch wenn die Beleuchtung nicht besonders hell war, freuten sich die Bürger über das, was sie hatten.
Die Gasbeleuchtung war umständlich in der Handhabung, da die Lampen ständig von Hand angezündet, gelöscht, gereinigt und repariert werden mussten. All diese Arbeiten wurden von den Laternenanzündern erledigt. Diese Männer zogen in Gruppen von zwei bis drei Personen mit langen Stangen durch die Stadt und zündeten in der Dämmerung die Lampen an, um sie um Mitternacht wieder zu löschen.
Viele Laternenanzünder benutzten Leitern, da sie zum Anzünden der Lampen in die Höhe steigen mussten. Diese Arbeit war sehr gefährlich, da Pferdekutschen oft zu nahe an die Masten heranfuhren und die Leitern umstießen.
Im Jahr 1881 fand die Hochzeit von Kronprinz Rudolf und Prinzessin Stephanie von Belgien statt. Die Wiener Gasgesellschaft machte dem jungen Paar ein Geschenk: Sie errichtete auf der Ringstraße einen riesigen Triumphbogen, der von unzähligen kleinen Gaslaternen beleuchtet wurde.
Die Gasbeleuchtung war jedoch nicht nur nützlich, sondern auch gefährlich. Ein eindrückliches Beispiel dafür ist der katastrophale Brand im Ringtheater im Jahr 1881. Er wurde durch eine nicht gelöschte Gasflamme verursacht. Darüber hinaus klagten die Menschen oft, dass der ständige Gasgeruch auf den Straßen bei ihnen Unwohlsein und Kopfschmerzen verursachte. Trotzdem nutzten die Bürger diese Art der Beleuchtung weiterhin, da es keine Alternative gab.
Gaslampen erreichten ihre größte Verbreitung in Wien vor dem Ersten Weltkrieg. Im Jahr 1913 gab es in der Stadt 45.000 Lampen. Doch schon bald begannen sie, ebenso wie die Öllampen, sehr schnell zu verschwinden, als ihnen die elektrischen Lampen folgten, die sicherer und weitaus billiger waren.
So erlosch die letzte Gaslampe Wiens in Hietzing für immer am 27. November 1962 um 16:00 Uhr.
Beleuchtung für die einfachen Leute

Im Jahr 1900 wurden die Paläste Hofburg und Schönbrunn mit elektrischer Beleuchtung ausgestattet. Zuvor wurden die kaiserlichen Anwesen hauptsächlich mit Kerzen beleuchtet. Es ist bekannt, dass Seine Majestät Kaiser Franz Joseph große Angst vor Bränden hatte und deshalb keine Gasbeleuchtung in seinen Residenzen installieren wollte.
In den Häusern der einfachen Leute erschien die Gasbeleuchtung Ende der 1820er Jahre, und bereits Ende des Jahrhunderts, genauer gesagt 1873, stellte Wien endgültig auf elektrische Beleuchtung um. Bemerkenswert ist, dass zu dieser Zeit erstmals „farbige Lichter“ den Stephansdom erhellten. In privaten Haushalten einiger Wiener Bezirke wurde die Elektrizität erst 1920 eingeführt.
Gas und Elektrizität wurden unentbehrlich, denn sie spendeten Licht und betrieben verschiedene Haushaltsgeräte sowie die Straßenbahnen. Die Möglichkeit, Licht auf Knopfdruck zu erzeugen, veränderte die ganze Welt, das Leben und die Arbeit der Menschen sowie das Erscheinungsbild der Stadt. Nach der Einführung der Elektrizität konnten Fabriken die ganze Nacht über betrieben werden, und die Menschen konnten ungehindert durch die nächtlichen Straßen gehen.
Das moderne Wien sieht besonders im Winter wunderschön aus, wenn seine Straßen von einer Vielzahl moderner Lichter erhellt werden.