Die Wienerinnen und Wiener sind an eine bequeme Fortbewegung mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gewöhnt. Neue Busse und Straßenbahnen befördern täglich ihre Fahrgäste in die verschiedensten Stadtteile. Doch das war nicht immer so: Im 19. Jahrhundert verkehrten Pferdetramways durch die Straßen der Stadt, und anstelle der modernen Öko-Busse gab es Doppeldecker mit Holzbänken, berichtet viennafuture.eu.
Die erste Pferdetramway

Anfang 1840 begann ein wichtiger Meilenstein in der Geschichte des Wiener öffentlichen Verkehrs. In dieser Zeit wurde die erste Pferdeeisenbahn in Betrieb genommen. Sie verlief zwischen dem Rotenturmtor und der Brigittenau, die rote Linie führte entlang des Kais über den Mathildenplatz. Die Schienen für die Pferdeeisenbahn waren aus Holz gefertigt. Die Wagen verkehrten täglich und streng nach Fahrplan.
Jedoch wurde der Betrieb der Pferdeeisenbahn im Juni 1842 wieder eingestellt. Im Oktober 1865 wurde die erste öffentliche Pferdetramway in Betrieb genommen, die vom Schottentor nach Hernals fuhr. Im Frühling 1866 wurde die Strecke von Hernals bis zur Endstation in Dornbach verlängert.
Kaiser Franz Joseph besaß eine private, privilegierte Pferdetramway, die aus 28 Wagen bestand.
Im Jahr 1867 wurde die „Wiener Tramwaygesellschaft“ (WT) gegründet. Das Unternehmen war für die Entwicklung und Inbetriebnahme neuer Strecken zuständig. Bemerkenswert ist, dass bereits 1873 auf 37 km Gleisen 544 Wagen verkehrten.
1871 wurde für die Entwicklung eines zusätzlichen Pferdetramway-Netzes die „Neue Wiener Tramwaygesellschaft“ (NWT) gegründet.
Im Jahr 1896 begannen die Wiener Behörden, über die Schaffung eines elektrifizierten Verkehrssystems nachzudenken. Bereits 1897 verkehrten die ersten elektrischen Straßenbahnen durch die Straßen der Stadt. Diese Neuerung führte zur vollständigen Abschaffung der Pferdetramway. Im Juni 1903 fuhr die letzte Pferdetramway auf der Strecke durch die Sechsschimmelgasse und die Liechtensteinstraße.
1907 wurden in Wien Linienbezeichnungen mit Zahlen und Buchstaben eingeführt. Von 1907 bis 1922 wurde aufgrund der steigenden Fahrgastzahlen aktiv an der Erweiterung der Straßenbahnwagen gearbeitet.
Während des Ersten Weltkriegs wurden die meisten Männer zum Militärdienst eingezogen. Daher arbeiteten Frauen als Fahrerinnen und Schaffnerinnen.
1922 erfolgte der endgültige Umstieg von Dampf- auf elektrische Straßenbahnen.
Der Schritt auf ein neues Level

Im Jahr 1960 kam es zu einem akuten Personalmangel. In den zahlreichen Zügen mit drei Waggons arbeiteten vier Personen, in jedem Wagen gab es einen Schaffner. Um Personalkosten zu sparen, wurden anstelle der zweiachsigen Wagen neue Gelenkwagen bestellt, in denen ein Schaffner weniger benötigt wurde.

Aufgrund der Notwendigkeit weiterer Personalreduktionen wurde im Dezember 1964 in Wien der erste schaffnerlose Wagen in Betrieb genommen. Er war mit einem Knopf zum Öffnen der Türen, einer automatischen Türschließanlage mit Trittstufenkontakten und Türsensoren ausgestattet.
Die Neuerungen ermöglichten einen sicheren Betrieb der Straßenbahn ohne die Mitwirkung eines Schaffners. Gleichzeitig wurde ein neues System zur Fahrscheinentwertung eingeführt. In den folgenden Jahrzehnten wurden alle Straßenbahnen der Stadt umgerüstet und modernisiert. Im Oktober 1979 ging der letzte Schaffner in Wien in den Ruhestand.
1998 gab es eine weitere Innovation – die mehrteiligen Niederflurstraßenbahnen vom Typ „Ultra Low Floor“ (ULF) nahmen ihren Betrieb auf. Ihre Einstiegshöhe beträgt nur 19 Zentimeter, was bedeutet, dass ür alle Fahrgäste ein stufenloser Einstieg gewährleistet ist. Zuerst verkehrten sie auf den Linien 65 und 67 und später auch auf der Linie 6.
Die modernen Straßenbahnen, ausgestattet mit Klimaanlagen und LED-Anzeigen, bieten den Fahrgästen eine komfortable und sichere Fahrt. Im Jahr 2013 verkehrten in Wien 500 Straßenbahnen. Im Jahr 2022 umfasste das Wiener Straßenbahnnetz 171 km, und die städtischen Straßenbahnen legten 27 Millionen Kilometer zurück.