Sonntag, Februar 8, 2026

Bekannte Sagen aus Wien

Jedes Land, jede Stadt hat ihre eigenen Mythen. Wien ist da keine Ausnahme; es gibt eine Vielzahl von Geschichten, die von einer Generation zur nächsten weitergegeben werden. Mehr darüber erfahren Sie auf viennafuture.eu.

Der Brunnen mit dem Basilisken

Im Jahr 1212 brach in der Schönlaterngasse helle Aufregung aus: Eine Magd, die zum Brunnen ging, um Wasser zu holen, entdeckte, dass darin ein schreckliches Ungeheuer saß. Die Frau schrie laut auf, die Nachbarn liefen herbei und begannen zu überlegen, was mit diesem Monster zu tun sei. Jemand lief sogar los und rief Mitglieder des Stadtrats herbei. Die Menge stand fassungslos da. Plötzlich trat ein ortsansässiger Arzt hervor und sagte, das Ungeheuer im Brunnen heiße Basilisk. Er fügte hinzu, man müsse sich vor dem Basilisken in Acht nehmen, da er mit einem einzigen Blick töten könne.

Der Besitzer des Hauses, bei dem sich der Brunnen befand, erschrak sehr und lobte eine hohe Belohnung für den Mutigen aus, der den Basilisken besiegen würde.

Ein junger Bursche schaffte es, das Monster zu bezwingen. Bewaffnet mit einem kleinen Spiegel stieg er in den Brunnen hinab. Der Basilisk hob den Kopf, sah sein eigenes Spiegelbild und versteinerte augenblicklich.

Der Bursche entfernte den Körper aus dem Brunnen. Anstelle der Belohnung bat er um die Hand der Tochter des Hausherrn, dem nichts anderes übrig blieb, als zuzustimmen.

Der liebe Augustin

In Wien kursiert noch eine weitere Legende über den Sänger Augustin, der die Pestepidemie überlebte. Der Mann war praktisch schon im Jenseits, schaffte es aber, in die Welt der Lebenden zurückzukehren.

Augustin besuchte gerne und oft Tavernen, was ihm beinahe zum Verhängnis wurde. Eines Nachts betrank er sich stark und fiel auf dem Heimweg in eine tiefe Grube, in der viele Leichen lagen. Als der Mann am Morgen aufwachte, erlitt er einen schweren Schock und schrieb sofort danach sein berühmtes Lied mit dem lyrischen Unterton. In seinem Werk sang er davon, dass in seinem Leben alles verloren sei und er mit nichts zurückgeblieben war.

Über das weitere Schicksal dieses Sängers gehen die Versionen auseinander. Einige sagen, er sei reich geworden und habe Erfolg gehabt, andere vermuten, er sei jung am Alkoholismus gestorben.

Der Hahn vom Stephansdom

Die nächste Legende handelt von dem eisernen Hahn, der sich auf dem Dach des Stephansdoms befand. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts lebte ein tapferer und sehr guter Ritter namens Kaspar von Schleser. Der Mann war mit einer schönen Frau verheiratet.

Eines Tages befahl Kaiser Maximilian Kaspar, nach Konstantinopel zu reisen und dem Sultan eine wichtige Botschaft zu überbringen. Der Ritter war beunruhigt, denn vor ihm lag ein weiter und sehr gefährlicher Weg. Außerdem musste er seine Frau allein lassen, und die Wahrscheinlichkeit war groß, dass sie sich ein anderer nehmen könnte.

Trotz allem musste er gehen. Der Tag des Abschieds kam, und seine Frau hängte Kaspar ein geweihtes Kreuz um den Hals, das ihn vor Unheil schützen sollte.

Nach einer langen Reise kam Kaspar schließlich beim Sultan an und überreichte ihm die Botschaft. Auf dem Heimweg wurde der Ritter von Räubern aufgehalten, die ihn gefangen nahmen und in die Sklaverei verkauften.

Es folgten lange Jahre harter Arbeit. Nur das Kreuz, das er vor den Räubern verstecken konnte, gab ihm die Hoffnung, eines Tages wieder frei zu sein.

Das zweite und dann das dritte Jahr vergingen. Zu Hause betrauerte seine Frau ihren verstorbenen Mann. Nach fünf Jahren gab sie die Hoffnung auf Kaspars Rückkehr auf und beschloss, einen anderen zu heiraten.

Als die Hochzeitsvorbereitungen begannen, hatte Kaspar einen Traum: Er sah seine Geliebte am Altar des Stephansdoms an der Hand seines Freundes Markenstein stehen. Eine seltsame Stimme flüsterte dem Schlafenden zu, dass noch nicht alles verloren sei und diese Ehe verhindert werden könne.

Kaspar wachte auf und dachte in seiner Verzweiflung, er würde seine Seele dem Teufel geben, um schneller in Wien zu sein. In diesem Moment sah der Mann den Teufel vor sich, der eine Hahnenfigur in den Händen hielt und ihm einen Handel anbot: Der Ritter gibt ihm seine Seele, und der Vogel bringt ihn nach Wien.

Kaspar stimmte nur unter der Bedingung zu, dass er während des Fluges schlafen würde und der Teufel so seine Seele holen könne. Als der Satan mit Kaspar dem Stephansdom nahekam, krähte der Hahn laut, und der Ritter erwachte. Als der Teufel erkannte, dass es ihm nicht gelingen würde, die Seele zu bekommen, stieß er Kaspar mit dem Hahn in die Donau und fuhr selbst zur Hölle.

Fischer zogen die beiden aus dem Fluss, und Kaspar schaffte es rechtzeitig zur Kirche, wo er seine Frau mit großer Freude umarmte.

Zum Dank an den Hahn, der ihn aus der Sklaverei befreit hatte, ließ der Ritter eine eiserne Hahnenfigur anfertigen und sie auf dem Dach des Stephansdoms anbringen.

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