Sonntag, Februar 8, 2026

Was war vor Wien?

Die Entstehung Wiens ist nicht nur die Geschichte der Habsburger-Dynastie oder des mittelalterlichen Handels. Hinter den wunderschönen Palästen und den großen österreichischen Kaisern stehen Jahrtausende des Lebens. Bevor Wien entstand, lebten hier Kelten, Römer und andere Völker. Es ist eine Geschichte des Bodens, der Flüsse, der Hügel und unheilvoller Invasionen. In diesem Beitrag auf der Website viennafuture.eu tauchen wir in die Zeit vor der modernen Stadt Wien ein.

Prähistorische Besiedlung des heutigen Wien

Archäologische Forschungen zeigen, dass bereits in der Jungsteinzeit Menschen das Donautal an jener Stelle durchquerten, wo später Wien entstehen sollte. Im Wiener Becken wurden Feuersteinwerkzeuge, Pfeilspitzen und Tierknochenreste gefunden. Im späten Neolithikum, ungefähr 3.000 Jahre v. Chr., hinterließ die Donauländer Kultur Spuren im Gebiet des heutigen Bezirks Landstraße.

Die Bronze- und Eisenzeit (etwa 2.000 – 800 v. Chr.) hinterließen auf dem heutigen Wiener Stadtgebiet zahlreiche Gräberfelder mit Asche, Urnen und Brandbestattungen. Besonders viele davon befanden sich in den Bezirken Simmering und in der bereits erwähnten Landstraße. An mehreren Stellen wurden auch Reste von Siedlungen mit Keramik gefunden. Besonders bedeutsam ist der Leopoldsberg. Hier wurden archäologische Spuren von Siedlungen aus der Bronzezeit dokumentiert.

Während der Hallstattzeit (800 – 450 v. Chr.) existierte auf dem Leopoldsberg eine dauerhafte befestigte Handwerkssiedlung mit Grubenhäusern, Spuren von Wirtschaftstätigkeit und Keramikfunden. Sie spielte eine gewisse lokale Rolle innerhalb des Wiener Beckens. Beim Übergang zur Latène-Kultur war das Leben auf dem Leopoldsberg ebenfalls recht aktiv. Hier wurde eine große Anzahl an Bronzeerzeugnissen gefunden, insbesondere Fibeln – bronzene Gewandnadeln. Zu den archäologischen Funden zählen auch Fragmente von verzierten Töpfen.

Kelten, der Stamm der Boier und der Leopoldsberg

In der Zeit des 2. und 1. Jahrhunderts v. Chr. ließen sich keltische Gruppen in den Gebieten des Wiener Beckens nieder. Der Leopoldsberg wurde oft als Standort einer der lokalen befestigten Siedlungen interpretiert. Moderne Forschungen präzisieren jedoch, dass es sich nicht um eine große Wallburg im klassischen Sinne handelte, sondern um eine bedeutende Siedlung auf regionaler Ebene. Auf dem Leopoldsberg wurde Keramik mit östlichen Ornamenten (heutige Slowakei) gefunden. Auch Verzierungen aus den nördlichen Regionen (Mähren) kamen vor. Dies zeugt von Handels- oder Kulturkontakten.

Das Zentrum der keltischen Boier lag näher bei Pressburg (der heutigen Stadt Bratislava). Den Leopoldsberg nutzten sie als Peripherie, jedoch nur bis zur Mitte des 1. Jahrhunderts v. Chr. Danach stellte er seine Funktion gänzlich ein. Vermutlich aufgrund des römischen Drucks oder einer internen Transformation.

Über die Römerzeit

Im 1. Jahrhundert n. Chr. siedelten sich die Römer auf dem Gebiet des heutigen Wien an. Im Jahr 16 v. Chr. wurde die Provinz Noricum hier eingegliedert, und die Donau wurde zur Grenze. Um das Jahr 97 n. Chr. begann der Bau der Militärsiedlung – Vindobona. Ihre Gesamtfläche betrug etwa 455 × 500 Meter. Ein solches Lager umfasste bis zu 6.000 Legionär.

Um die Militärsiedlung herum lag der Zivilbereich. Hier gab es Handwerksbetriebe, Wohnviertel, Keramikwerkstätten und Ziegelproduktion. In der Blütezeit (2. Jh. – erste Hälfte 3. Jh.) lebten bereits etwa 30.000 Einwohner in und um Vindobona. Im Jahr 212 erhielt diese Siedlung den Stadtstatus.

Während großer Hochwasser im 3. Jahrhundert wurde der nördliche Teil der neu gegründeten Stadt beschädigt – Plananpassungen, Verlust von Parzellen. Im 4. Jahrhundert wurde Vindobona zum Kommandozentrum der römischen Flottille der Pannonischen Flotte. Bis zur Spätantike (5. Jh.) behielt die Stadt ihre Befestigungen, doch unterlag sie zahlreichen Invasionen und dem Abzug ihrer Militärgarnisonen – und begann zu verfallen.

Vom Verfall der Römer bis zum Frühmittelalter

Nach 430–450 begann die römische Militärverwaltung in Vindobona zu schwächeln. Die Militärgarnisonen zogen ab, ein Teil der Bevölkerung verließ das Gebiet oder assimilierte sich.

Später integrierten sich die römischen Spuren in die mittelalterliche Struktur. Teile der alten Mauern wurden über mehrere Jahrhunderte genutzt. Zum Beispiel verliefen die Außenmauern des Militärlagers durch die heutigen Straßen Naglergasse, Graben, Kramergasse, Ringstraße, Rabensteig.

Im 6. und 7. Jahrhundert kamen Awaren und Slawen in das Gebiet um Wien. Die Ersteren herrschten beispielsweise unter der Führung von Khans, die Zweiten stellten einen bedeutenden Teil der Bevölkerung. Mitte des 8. bis 9. Jahrhunderts drang das Fränkische Reich weiter nach Osten vor. Infolgedessen integrierten sich die Awaren. Im Jahr 996 erschien die Urkunde Ostarrîchi, die das Gebiet erwähnte, das das zukünftige Wien einschloss.

Bis zum Ende des 10. Jahrhunderts gehörte das Stadtgebiet zum Königreich Ungarn. Die Ungarn selbst bedrohten die östlichen Gebiete des Heiligen Römischen Reiches, und Wien wird als eine der Grenzregionen erwähnt.

Geographie, Fluss, Landschaft als Gestalter früher Siedlungen

Die Geographie Wiens ist der Schlüssel zum Verständnis aller anderen Schichten. Wien liegt im Wiener Becken – einem großen Talkessel, der im Westen vom Wienerwald begrenzt wird.

Eine der wichtigsten geographischen Formationen ist die Wiener Pforte – die Stelle, an der die Donau den Rand des Wienerwalds durchbricht. Auf der rechten Seite liegt der Leopoldsberg (425 m), auf der linken der Bisamberg (358 m). Die Wiener Pforte wurde über etwa 350.000 Jahre durch die Wasser der Donau und Seitenbäche geformt.

Der Fluss Donau ist die Hauptverkehrsader. Ursprünglich hatte sie zahlreiche Arme und Inseln. Dies erleichterte die Überquerung, schuf Häfen, Anlegestellen… Zudem boten natürliche Flussterrassen und Schwemmlandböden fruchtbare Böden für die Landwirtschaft nahe der Donau.

Gleichzeitig lieferten die Wasserläufe aus dem Wienerwald frisches Wasser für die umliegenden Siedlungen. Zum Beispiel gab es einst Aquädukte und Wasserleitungen für die Römerstadt.

Die geographische Lage Wiens an der Kreuzung alter Handelsrouten – entlang der Donau (West-Ost) und entlang des Alpenvorlandes (Süd-Nord) – war entscheidend. Dies bedeutete, dass die Militärsiedlung Vindobona zu einem Knotenpunkt für Transport, einfache Verbindung, Verteidigung und Wirtschaft wurde. Es ist kein Zufall, dass die Römer genau diesen Ort wählten.

Bevölkerung, Kulte und Kultur vor dem Entstehen des mittelalterlichen Wien

In der Stadt Vindobona lebten nicht nur Soldaten. Es gab viele Zivilisten – Familien von Veteranen, Handwerker, Händler, Servicepersonal usw. Zu den römischen Funden gehören Grabsteine, Gedenktafeln mit Namen von Soldaten oder deren Verwandten. Zum Beispiel wurde die Inschrift „T. Vettius Rufus, Zenturio Legio XIV, Opfer für die Nymphen“ auf dem Gebiet des zentralen Teils von Wien (Hohen Mark) gefunden.

Mitte des 2. bis 3. Jahrhunderts dominierte hier der Mithraismus, da Skulpturen und Öltäre im Zusammenhang mit diesem Kult gefunden wurden. Das Christentum drang etwas später in diese Region ein. Einer der bekanntesten römischen christlichen Grabsteine wurde auf das Ende des 4. Jahrhunderts datiert. Er ist bekannt als der Grabstein der Sabina. Auch er wurde am Hohen Markt gefunden.

Die Sprache der Verwaltung, des Rechts und der Korrespondenz war Latein. Gleichzeitig blieben keltische Elemente erhalten, insbesondere in der Toponymik, Ornamentik und im Handwerk. Zum Beispiel ist der Name Vindobona ein Hybrid keltisch-lateinischer Etymologie: windo- („weiß“) + bona („Basis, Boden“).

Zu den damaligen materiellen Kulturen gehören: Keramik Terra Sigillata (importiert aus Gallien und anderen Regionen), lokale Keramik mit Ornamenten, Schmuck, Eisenwerkzeuge, Gebäudef Fragmente, Wände mit weißem Verputz, Farben, Fresken mit Weinmotiven.

Quellen:

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