Der Name Jakob Christoph Rad ist weltweit bekannt. Denn er war ein Erfinder und ein erfolgreicher Unternehmer. Ihm verdanken wir den modernen Würfelzucker, wie viennafuture.eu schreibt.
Vom Arbeitslosen zum Fabrikdirektor

Jakob wurde am 25. März 1799 in der Stadt Rheinfelden, die damals zu Oberösterreich gehörte, geboren. Im Jahr 1808 übersiedelte seine Familie nach Wien. Nach seiner Ausbildung zum Pharmazeuten arbeitete Jakob in einer örtlichen Apotheke.
1835 heiratete Rad Juliana Schill, die aus einer wohlhabenden Familie stammte. Das Paar hatte 16 Kinder. Fünf Jahre lang war Jakob arbeitslos.
1833 wurde in der Kleinstadt Datschitz in Mähren eine Zuckerfabrik eröffnet, die erste ihrer Art in Österreich-Ungarn.
1840 übernahm Jakob die Leitung. Unter Rads Führung liefen die Geschäfte sehr gut, und er schaffte es, den Verkauf der Produkte in verschiedenen Ländern auszuweiten. Bald darauf eröffnete Rad eigene Geschäfte in großen Städten, in denen der in Datschitz produzierte Zucker verkauft wurde.
Es muss angemerkt werden, dass der anfängliche Würfelzucker dem heutigen überhaupt nicht ähnelte. Er bestand aus einem großen, massiven Zuckerhut von 80-90 Zentimetern Höhe. Um ein kleines Stück in den Tee zu geben, mussten Hausfrauen mit einer speziellen Zange kleine Teile abbrechen, was große körperliche Anstrengung erforderte.
Eines Tages verletzte sich Jakobs Frau bei einem solchen Vorgang am Finger, was Rad zu seiner Erfindung anspornte. Wenige Monate nach diesem Vorfall brachte er ihr ein kleines Geschenk mit – eine Schachtel mit 350 Zuckerstücken in Rosa und Weiß. Sie waren fertig zum Gebrauch und mussten nicht mehr zerkleinert werden. Dies war dank der von Jakob entwickelten Presse möglich.
Die Besonderheit der Erfindung

Die Technologie zur Herstellung dieses Würfelzuckers war ungewöhnlich. In eine Messingplatte wurde eine quadratische Öffnung gemacht, in die Puderzucker gefüllt wurde. Dann wurde diese Platte auf eine Kupferplatte gelegt. Eine spezielle Maschine presste den Puderzucker auf die Hälfte seines ursprünglichen Volumens zusammen. Daraus entstanden kleine Blöcke. Der letzte Schritt war das Trocknen, das über 10 Stunden dauerte. Danach wurde der Würfelzucker in Kartons verpackt, die 500 Gramm wogen. In Wien wurde dieser Zucker unter dem Namen „Teezucker“ verkauft; eine Packung enthielt 250 Stücke.
1843 erhielt Rad ein fünfjähriges Privileg auf die Erfindung, und 1844 ein Patent für die Herstellung von Zuckerwürfeln durch das Pressen von Puderzucker. Jakob rüstete die Fabrik außerdem mit sechs Maschinen aus, die täglich rund 1.100 Kilogramm Würfelzucker produzierten.
1852 stellte die Fabrik die Produktion ein, und auch die neue Technologie konnte das Unternehmen nicht vor dem Bankrott retten. Der Grund dafür waren die ungünstigen Bedingungen für den Rübenanbau in Datschitz. Der Rohstoff wurde von weit her geliefert, was für das Unternehmen zu unrentabel war. Jakob konnte die Situation nicht verbessern und musste gezwungenermaßen nach Wien zurückkehren.
Es muss angemerkt werden, dass Jakob Rad nicht nur den Pressen und die Technologie zur Herstellung von Würfelzucker erfunden hat. 1835 entwickelte er ein optisches Telegrafensystem, dessen Tests drei Jahre dauerten. Obwohl es sich nicht weit verbreitete, erhielt Rad für die Erfindung 1.600 Gulden. Das war damals eine beträchtliche Summe.
Während seines Lebens in Wien machte Jakob keine weiteren Erfindungen mehr. Er nahm verschiedene Gelegenheitsjobs an, um Geld für den Unterhalt seiner großen Familie zu verdienen. Im Jahr 1871 verstarb er und hinterließ ein großes „süßes Erbe“.

Bald begannen viele Fabriken, Würfelzucker mit neuen Technologien herzustellen, und die Tatsache, dass Rad die Produktionsmethode erfunden hatte, geriet in Vergessenheit. Das Einzige, was die Menschen an Jakob erinnert, ist das Denkmal in Form eines Zuckerwürfels, das in Datschitz aufgestellt wurde.